Ihr habt die meisten Jahre mit euren Eltern und anderen Erziehungspersonen verbracht. Und jetzt?
Wie habt ihr Erziehung erlebt? Fair, zu streng, zu lasch? Oder einfach nur… komisch?
Ihr seid hier die ExpertInnen! Egal, ob ihr bei euren Eltern, Pflegeeltern, Großeltern oder anderen Bezugspersonen aufgewachsen seid. Was war gut?
Was hättet ihr euch anders gewünscht? Und vor allem: Was würdet ihr Eltern raten? Wie sollte Erziehung aussehen, damit Jugendliche sich verstanden,
unterstützt und frei fühlen? Was ist aus eurer Sicht wichtig?
Hi
Richtig cool dass das Thema tatsächlich zum monatsthema gemacht wurde :)
Ich find das wichtigste ist dass erwachsene nicht vergessen dass Kinder und Jugendliche eigene Menschen sind. Wir sind nicht einfach nur jemand der erzogen werden muss. Wir haben eigene Gefühle, Meinungen, Wünsche und Grenzen. Ich find es wichtig dass Erwachsene zuhören und uns ernst nehmen. Wenn wir uns anders verhalten als sonst oder etwas nicht machen wollen sollte man nicht sofort denken dass wir einfach nur schwierig oder ungehorsam sind. Vielleicht gibt es einen grund dafür den man von außen gar nicht sieht...Und mit tadeln erzielen eltern auch nicht dass man ihnen das dann gern anvertraut. Ich würde mir auch wünschen dass eltern sich auch selbst hinterfragen können. Ein ehrliches "das tut mir leid ich hab einen Fehler gemacht" würde für mich bedeuten dass ich den fehler nicht immer bei mir selbst suchen muss... Eltern müssen meiner meinung nach nicht perfekt sein aber sie sollten bereit sein zuzugeben wenn sie etwas falsch gemacht haben. Erziehungsfallen gibt es glaub einige... Ein paar fallen mir jetzt grad mal ein. Eine davon ist find ich wenn eltern ihre eigene kindheit ständig mit der heutigen Zeit vergleichen. So oft hab ich gehört "Das musste ich früher auch machen" oder "damals war die Erziehung viel strenger und mir hat es auch nicht geschadet" ich find einfach so kann man das aber nicht vergleichen. Die welt verändert sich ja ständig und Kinder wachsen heute unter anderen Bedingungen auf als vor 30, 40 oder 50 Jahren. Nur weil jemand etwas ausgehalten hat heißt das doch nicht automatisch dass es ihm nicht geschadet hat oder dass es deshalb eine gute Erziehung war... oder dass das unter heutigen Umständen noch genauso gut funktioniert. Streng sein kann manchmal notwendig sein aber für mich bedeutet eine gute Erziehung nicht dass ein Kind möglichst viel aushalten muss. Ich glaub Kinder sollten nicht erst beweisen müssen wie viel sie ertragen können. Man kann aus seiner eigenen Kindheit lernen und auch Sachen übernehmen die für beide seiten gut sind und funktionieren aber man sollte sie nicht einfach als 1:1 vorlage nehmen. Eine weitere ist für mich der Umgang mit Fehlern...ich glaub Kinder müssen Fehler machen dürfen weil man aus ihnen lernen kann. Manchmal behandeln eltern einen Fehler aber so als wär gleich die ganze Welt untergegangen. Und wenn dann noch ein "Ich habs dir doch gesagt" hinterherkommt fühl ich mich gleich als komplettversager. Ich find dieses "ich habs dir doch gesagt" kann besonders wehtun weil ich in dem Moment selbst weiß dass etwas schiefgelaufen ist. Ich brauch dann nicht unbedingt jemanden der mir beweist dass er recht hatte. Ich würde mir eher jemanden wünschen der sagt "Okay es ist passiert was kannst du jetzt daraus lernen?"
Für mich bedeutet gute Erziehung deshalb auch Kindern zu zeigen dass ein Fehler nicht bedeutet dass man selbst ein fehler ist. Man darf etwas falsch machen und es trotzdem wieder versuchen.
Eine andere Erziehungsfalle ist für mich gehorsam mit guter Erziehung zu verwechseln. Ein Kind kann alles tun was man ihm sagt und sich trotzdem innerlich überhaupt nicht wohl oder sicher fühlen... Ich find Kinder dürfen und sollen auch widersprechen und eine eigene meinung haben ohne strafen befürchten zu müssen. Auch vergleiche mit anderen Kindern find ich schwierig und lassen einen nur noch minderwertiger fühlen. Wenn man ständig hört dass jemand anderes etwas besser kann oder sich besser verhält lern ich nix außer dass ich selbst nicht gut genug bin. Natürlich brauchen Kinder regeln und Grenzen aber ich find sie brauchen genauso die möglichkeit eigene Entscheidungen zu treffen und Fehler zu machen.
Welche guten und schwierigen Erfahrungen hab ich mit Erziehung gemacht? Ich hab gute Erfahrungen gemacht wenn Erwachsene mir wirklich zugehört haben. Besonders schön find ich es wenn jemand nicht sofort versucht alles zu lösen sondern einfach da ist und versucht zu verstehen was in mir vorgeht... Und mir auch raum gibt in meinem tempo eigene Lösungen zu finden aber geduldig bleibt dabei. Schwierig find ich es wenn Erwachsene über mich entscheiden ohne mit mir darüber zu sprechen... Oder wenn meine Gefühle oder was ich möchte nicht ernst genommen werden weil jemand anders die Situation vielleicht ganz anders empfindet und nur seins zählt.
Ich glaub gute Erziehung bedeutet für mich nicht dass eltern immer alles richtig machen. Es bedeutet dass sie bereit sind zuzuhören, sich zu entschuldigen und dazuzulernen.
Wenn es dazu ein Buch gäb würde ich es vielleicht "ich werde groß, ob du mir dabei hilfst oder nicht" nennen. Ich find darin steckt ziemlich viel von dem was Erwachsenwerden ausmacht. Man verändert sich, probiert Dinge aus, macht Fehler und versucht herauszufinden wer man eigentlich sein möchte.... und das wird passieren egal ob die eltern unterstützen oder nicht. Das lässt sich nicht aufhalten...
Was müsste man für einen Erziehungsführerschein können? Wenn es wirklich einen Erziehungsführerschein gäb würde ich nicht nur prüfen ob jemand weiß welche Regeln Kinder brauchen. Man müsste aushalten können dass Kinder Fehler machen. Man müsste die Grenzen eines Kindes respektieren können und verstehen dass ein "Nein" nicht automatisch ungehorsam bedeutet. Man müsste sich entschuldigen können wenn man einen Fehler gemacht hat. Und man müsste lernen mit der eigenen Wut und Überforderung oder egal welchem Gefühl so umzugehen dass man es nicht schadend an seinem Kind auslässt. Außerdem sollte man glaub verstehen dass nicht jedes Kind gleich ist und dass man die eigene Kindheit nicht einfach als Vorlage für die Erziehung der nächsten generation nehmen kann. Man kann aus der eigenen Kindheit lernen... aber man sollte auch hinterfragen was davon wirklich gut war und was einem nur normal vorkommt weil man es selbst erlebt hat. Die für mich wichtigste frage bei diesem Erziehungsführerschein wär aber: kannst du einem Kind das Gefühl geben dass es nicht perfekt sein muss um geliebt, respektiert und ernst genommen zu werden? Wenn man das kann hat man meiner Meinung nach schon ziemlich viel verstanden.
Äh ja ich glaub ich mach langsam mal einen punkt auch wenn mir noch ein paar mehr sachen einfallen... Aber der text ist jetzt schon mega lang 🙈
LG
Maya
Hallo,
ich finde es spannend, auch mal gefragt zu werden, und musste gerade erst einmal überlegen.
Ich finde, dass es bei der Erziehung keinen pauschale Antwort geben kann (was hier ja zum glück auch nicht gefragt wurde), und finde es wichtig zu sagen, dass ich hier nur über mich schreiben kann. Wahrscheinlich würden meine Schwestern selbst eine andere Antwort haben, auch wenn wir in der gleichen Familie aufgewachsen sind.
Ich finde Eltern müssen die Verhaltensweisen, die sie von ihren Kindern erwarten, auch selbst vorleben. Für mich entsteht nämlich ein riesiger Knoten im Kopf, wenn ich ein Verhalten an den Tag legen soll, welches mir zu Hause nie beigebracht wurde. Wenn zu Hause ein positives Verhalten normal ist, weil die Eltern zb. immer sehr respektvoll sind, dann übernimmt man das als Kind denke ich sehr viel einfacher. Was bei mir ebenfalls ein Thema ist, die Reaktion auf bestimmte Themen. Ich weiß oft selbst schon, wenn ich mich falsch verhalten habe, und da würde ich mir wünschen, dass Erziehungsberechtigte sich bewusst machen, wie es in meinem Kopf aussieht, und was ihre Reaktionen auslösen können.
Dazu kommt aber, dass es für viele Erwachsene oft schwierig ist, einzuschätzen, wie selbstständig Kinder ihre Aufgaben schon ausführen können. Ich habe da leider keine direkte Lösung parat, aber ich denke das das ein Problem ist, was nicht unbedingt nur mich betrifft.
Ich weiß nicht, ob das, was ich geschrieben habe, logisch war, aber das waren jetzt mal meine ersten Gedanken zu dem Thema...
Lg
(Meine) Erziehung: Was war das – was ist das? – Antworten und Überlegungen von Euch dazu: das wünsche ich (oder wir von der bke ) mir in diesem August –: Start jetzt!
Also: die Erstangefragten seid Ihr hier im Forum (extern Lesende: schnell registrieren!) – dann sind natürlich auch die mitlesenden KollegInnen herzlich eingeladen.
Mir ging durch den Kopf, dass die UserInnen des Jugendforums dazu bestimmt was Spannendes oder Weiterbringendes dazu beitragen könnten. - Die pädagogische Forschung wartet sehnsüchtig.
Warum?
Ihr seid sozusagen frische Expertinnen und Experten. 🎓
Denn „Erziehung“: das ist eine Aufgabe von Eltern, PädagogInnen und anderen Erwachsenen, die etwa dann endet, wenn Ihr Euch im Forum anmeldet. Und weil in Eurem Alter die Selbsterziehung ganz vorrangig wird. – Manchmal überlappt sich das noch einige Zeit.
Das eigene Erwachsenwerden fordert Eltern und ihre Kinder und PädagogInnen und ihre „Zöglinge“ (all genders inclusive) ja nochmal extra heraus. – Wege und Entscheidungen werden infrage gestellt oder gar nicht mehr verstanden. … Ich denke, davon können alle hier traurige Lieder singen. … - Lustige oder fröhliche vielleicht auch?
· Worauf sollen Eltern (und Andere, die erziehen!) besonders achten?
· Welche Erziehungs - Fallen kennt Ihr?
· Welche guten (!) und welche schwierigen Erfahrungen mit „Erziehung“ liegen hinter euch? à Zuhause – Kita – Hort – Schule – Kirche – Verein …?
· Welchen Titel könnte ein Buch haben, das Eure Texte versammelt?
· Welches Inhaltsverzeichnis?
· Was müssten Eltern wissen oder können, um einen Erziehungsführerschein zu bekommen?
Ich selbst bin (mit KollegInnen) für Elternkurse da, in denen wir zusammen mit den Eltern über Erziehung nachdenken. Einfach, weil die Eltern interessiert sind und ihr Erziehungsverhalten verbessern möchten.
Werte, Gefühle, Selbstkenntnis, Kommunikation, Konflikte, Konsequenzen, Lösungsstrategien, Kooperation ..., Umgang mit Medien, ... das sind so die Themen. – Das ist nicht ganz leicht, macht aber oft Freude.
Was gehört in solche Elternkurse hinein, aus Eurer Sicht und Erfahrung?
Ihr verfügt über Erfahrungen und Erkenntnisse und, wie an vielen Forumsbeiträgen zu sehen ist, über Eure eigene, großartige Sprache dafür. Und die ist gefragt. – Let’s start.
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Liebe Grüße!
bke – Christian Koch